11. Februar 2011

Lauren Oliver - Delirium

Gebunden mit Schutzumschlag, 441 Seiten
ca. € 13,00
ISBN 978-0061726828

Ninety-five days, and then I'll be safe. I wonder whether the procedure will hurt. I want to get it over with. It's hard to be patient. It's hard not to be afraid while I'm still uncured, though so far the deliria hasn't touched me yet. Still, I worry. They say that in the old days, love drove people to madness. The deadliest of all deadly things: It kills you both when you have it and when you don't.

They say that the cure for love will make me happy and save forever. And I've always believed them. Until now.
Now everything has changed. Now, I'd rather be infected with love for the tiniest sliver of a second than live a hundred years smothered by a lie.


Was ich denke ...
Wir werden jeden Tag mit den unterschiedlichsten "Wahrheiten" konfrontiert - in den Nachrichten, in der Schule oder während des Studiums, im Gespräch mit Freunden und Kollegen. Wir müssen herausfiltern, was unserer Persönlichkeit und unserer Einstellung zu bestimmten Dingen am nächsten kommt - wir bilden unsere eigene Meinung.
Lauren Oliver hat in ihrem zweiten Roman "Delirium" eine Zukunft geschaffen, in der man darum kämpfen muss, überhaupt eine eigene, unabhängige Meinung zu haben. Der Protagonistin Lena wurde ihr Leben lang gesagt, was sie zu denken hat, wie die Welt funktioniert, dass die Regierung nur das Beste für die Menschen will. Am wichtigsten aber: Liebe - armor deliria nervosa - ist eine Krankheit. Eine im schlimmsten Fall tödliche Krankheit, und nur durch eine Behandlung - die Heilung -, die ab dem 18. Geburtstag möglich ist, kann man sich ein Leben lang schützen.

"The deadliest of all deadly things: It kills you both when you have it and when you don't."
- S. 4

Lena macht während der 440 Seiten eine sehr eindeutige und starke Entwicklung durch. Zu Beginn des Buches kann sie ihre Heilung kaum erwarten. Lena sieht darin ihre Chance auf ein geregeltes, glücklich verlaufendes Leben ohne Schmerz. Die Regierung wählt einen Partner für sie, einen, der wirklich zu ihr passt. Sie bekommt einen Job, wird Kinder haben - wenn es die Regierung für richtig hält - und sich um nichts mehr sorgen müssen.
Dementsprechend ist sie völlig schockiert von der Tatsache, dass ihre beste Freundin Hana Zweifel zu haben scheint.

"You can't be really happy unless you're unhappy sometimes. You know that, right?"
- S. 23 (Hana zu Lena)

Das Thema Dystopie wird in "Delirium" nicht auf die "technische Art" angegangen. Gäbe es diese Einstellung "Liebe ist eine Krankheit" nicht, gäbe es die Überwachung nicht - vom technischen Standpunkt aus könnte das Buch in unserer Gegenwart spielen.
Stattdessen fokussiert "Delirium" sehr auf die gesellschaftlichen Strukturen und geht generell emotionaler an die Dystopie heran.

Die Stadt, in der Lena lebt, ist abgeschottet von der Außenwelt. Die Gesellschaft bemüht sich redlich zu ignorieren, dass es außerhalb noch Menschen gibt, die ohne das Heilmittel gegen Liebe leben - die Invaliden.
Jeder hat solche Angst, sich mit amor deliria nervosa anzustecken, dass sie bereitwillig die (für uns) absurdesten Regeln hinnehmen: Jungen und Mädchen müssen sich, bis sie nach ihrem 18. Geburtstag geheilt wurden. von einander fernhalten. Für Lena ist es unvorstellbar, auf der Straße mit einem gleichaltrigen Jungen zu sprechen oder sich gar von ihm berühren zu lassen. Die Menschen werden auf Schritt und Tritt überwacht, nächtliche Razzien sind keine Seltenheit, alles wird zensiert - angefangen beim Internet über Musik bis zu Büchern.

"I feel like there are walls everywhere. Everywhere I go - bam! There's a wall. Everything I want - bam! Another wall."
- S. 107 (Hana zu Lena)

Dass sich die Menschen nach der Heilung von Grund auf verändern, ihre Gewohnheiten und sogar ihren Freundeskreis, stört niemanden wirklich. Auch Lena nicht. Sie kennt es nicht anders, ihr ist nie auch nur der Gedanken gekommen, die Heilung könnte schlecht sein. Lena ist - zumindest zu Anfang des Buches - die perfekte Mitläuferin. Bis sie Alex begegnet, der das ein oder andere Geheimnis verbirgt und ihr über den Verlauf eines Sommers die Augen öffnet.


"Delirium" hat mich wirklich und wahrhaftig an die Seiten gefesselt. Nicht nur mit der spannenden Handlung, sondern vor allem weil Lauren Oliver eine so lebendige Art zu Erzählen hat, die Sprache in diesem Buch ist toll! Deshalb hat mich der etwas langsame Einstieg in die Geschichte auch überhaupt nicht gestört - teilweise war ich wirklich sehr beschäftigt damit, einfach nur die Sätze zu genießen.
Einzig das Ende ist etwas fies. Cliffhanger. Big time! Die Handlung lässt im Allgemeinen einige Fragen offen, jene Frage jedoch, die am penetrantesten in meinem Kopf herumgeistert, steht im Zusammenhang mit den letzten Seite. Und sie lautet schlichtweg "Warum?". Ich verstehe nicht, warum er das getan hat. Es gibt sicher einen Grund, nur ... *ahhhhh* Wie gesagt: Cliffhanger ...

-- Um Spoiler zu vermeiden, werde ich an dieser Stelle mal abbrechen --


Bewertung
Abgesehen von den etwas langsamen ersten Kapiteln - die mich, wie gesagt, überhaupt nicht gestört haben - fällt mir rein gar nichts ein, was ich aussetzten könnte. Die Charaktere sind glaubhaft, die sich entwickelnde Liebe zwischen Lena und Alex ebenso (gerade in einer Welt, wie sie uns von Lauren Oliver präsentiert wird). Die Sprache hat mich sowieso begeistert, wie auch die Handlung an sich. Ein Gedanke: Ich will mehr!






Additional Information
Der zweite Teil der "Delirium"-Trilogie trägt den Titel "Pandemonium" und wird voraussichtlich 2012 erscheinen. "Requiem", der dritte Band, folgt 2013.
Auf Deutsch erscheint "Delirium" im Oktober 2011 beim Carlsen-Verlag, der auch schon ihr Debüt herausgebracht hat.

Übrigens wurden die Filmrechte zu beiden Oliver-Romanen (Delirium und Before I Fall) bereits an Fox 2000 verkauft.

Für die Musik-zu-Büchern-Fans unter euch: Amazon.com hat eine von Lauren Oliver zusammengestellte Playlist zu "Delirium" veröffentlicht. Da sind richtig gute Songs dabei, reinhören kann ich nur empfehlen.
Über diesen Link kommt ihr direkt zur Amazon.com-Seite von "Delirium", anschließend ein Stückchen runterscrollen und unter "Editorial Reviews" findet ihr die Playlist.

2 Kommentare:

Chrisu hat gesagt…

Ich freu mich schon so drauf :)

steflite hat gesagt…

Tolle Rezi, das Buch ist soeben um einiges höher auf meiner Wunschliste gewandert! Klingt wirklich spannend!

Die Songtitel zum Buch gefallen wir vorab schon zu 90%, da hat die Autorin wirklich tolle Bands ausgewählt! :)